Geschichte der Hämophilie- Behandlung
Die erste erfolgreiche Vollbluttransfusion zur Vermeidung von postoperativen Blutungen wurde 1840 bei einem Jungen mit schwerer Hämophilie in England beschrieben.
Bereits 100 Jahre davor gab es Versuche mit der Transfusion von Schafsblut, Rinderblut oder menschlichem Blut, die allerdings nicht erfolgreich waren. Das Wissen und das Verständnis von Blut, Blutgruppen usw. war damals einfach nicht ausreichend.
Wirkliche Fortschritte in der Therapie der Hämophilie gab es erst am Anfang des 20. Jahrhunderts, als nach der Entdeckung der Blutgruppen und der Gerinnungshemmung durch Citrat (ein Salz der Zitronensäure) Blut und Blutplasma zur Therapie der Hämophilie eingesetzt werden konnten. Mit der Entwicklung der Plasmafraktionierung durch Cohn und die Entwicklung des sog. Kryopräzipitats durch Judith Pool wurde dann in den 60er Jahren die Herstellung lyophilisierter Faktorenkonzentrate möglich, die die Therapie der Hämophilie geradezu revolutioniert haben.
Einen dramatischen Rückschlag gab es allerdings Anfang der 1980er Jahre, als man entdecken musste, dass mit den Faktorenkonzentraten das AIDS - Virus übertragen wurde. Dieses Problem konnte überwunden werden erstens durch die Einführung effektiver Virusinaktivierungsmethoden bei der Herstellung plasmatischer Gerinnungsfaktoren, und zweitens durch die Entwicklung rekombinanter Gerinnungsfaktoren (s. „ Behandlung mit Faktoren“), die möglich wurde durch die Klonierung des Faktor- VIII – Gens 1984.
Eine weitere Verbesserung in der Hämophilie-Therapie wurde erreicht durch die Einführung der prophylaktischen Gabe von Faktor – Konzentraten, die bereits um 1955 von Inga Marie Nilsson in Schweden das erste Mal beschrieben wurde und heutzutage besonders bei Kindern und Jugendlichen angewandt wird
